Plakadiva 2022

6 PlakaDiva Magazin 2022 Herstellers, die es auf die Shortlist schaffte unddort „haarsträubende Fakten“ über Einweg-Plastikflaschenpräsentierte. „Plastikflaschen kommendirekt von Satan“, heißt es beispielsweise auf einemMotiv, dazu eine aufmerksamkeitsstarke, bewusst überzogene Schwarz-Weiß-Zeichnung undder Hinweis auf die Landingpage: „Mehr über das Teufelszeug Plastik“ auf trink-aus-glas.de. Botschaften sollen zurDiskussion anregen Mit diesenbeiden grundverschiedenenAnsätzenwirddeutlich, wie facettenreich eine kommunikative, weithin sichtbareAuseinandersetzungmit ökologischenProblemen sein kann, wennman als Unternehmendie richtige Lösung imGepäck hat. Unddas sollte schon sein, sagt Juror Christof Baron. Denn Werbungtreibendewürden heute leicht in der Ecke des „Green- oder Colorwashings“ landen, weil vor allem jüngere Zielgruppen aufmerksamer und sensibler geworden seien. Für dieMarkenbedeute dies: Nicht nur reden, sondernden „True Purpose“ auch leben. Darumbemüht sich die Parfümerie-Kette Douglas intensiv. Zusammenmit der Agentur HumanUnlimitedwurde imHerbst 2020 ein Unternehmens-Purpose entwickelt. Darin findet sich auch der Satz „Für eineWelt, in der sich jeder gesehen, gehört und geschätzt fühlt“. Vor diesemHintergrundmuss die aktuelleKampagne #letsdobeautiful gesehen werden, die zwar den einen oder anderen Juror in ihrerMachart anDove erinnerte, dennoch aber auf der Shortlist landete, weil sie gekonnt an gängigen Schönheitsidealen rüttelt. Hier hattenCLP, Megalights, Großflächen, DOOHundRiesenposter denAuftrag, die Botschaft unübersehbar indieÖffentlichkeit zu transportieren und so zu einer gesellschaftlichenDiskussion anzuregen. WährendAdidas undDouglas noch auf demWeg sind, sich als Unternehmenmit klarer und gesellschaftlicher Haltung zu positionieren, ist dies bei gemeinnützigenOrganisationen längst Teil desMarkenkerns. Überraschend indiesemPlakaDiva-Jahrgang ist allerdings die Tatsache, wie ideenreich und eindrucksvoll dieUnternehmendabei vorgehen. Misereormit der „MitMenschen“- Kampagne, die authentische Porträts zeigt unddenBetrachter dazu anhält, sichmit fremden Schicksalen auseinanderzusetzen. Oder dieKampagne des Vereins „Laut gegen Nazis“, diemit Botschaftenwarb, die nur Sinn ergeben, wennman sie laut ausspricht (Beispiel: „Kai ´ne rächte gehWald!“). Bestechend auch die Idee der Johanniter Unfallhilfe, die inder Kategorie „Beste innovativeNutzung“ Gold holte. Deren 25.000 hauptamtlicheMitarbeiter sind seit JahrenGaffern ausgesetzt, die ihre Rettungseinsätze behindern und allesmit ihren Smartphones aufnehmen. Die Agentur Scholz &Friends Family hatte den Einfall, das Problemzur Lösung zumachen. Auf denRettungsfahrzeugen undWesten wurden kaumwahrnehmbare Codes angeSag es laut: Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust ruft der Verein Laut gegen Nazis im Jahr 2021 mit einer bundesweiten OOHKampagne zu einer besonderen Form von Zivilcourage auf. ABBILDUNG: LAUT GEGEN NAZIS E.V.

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